{"id":228,"date":"2021-04-19T21:18:27","date_gmt":"2021-04-19T19:18:27","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=228"},"modified":"2021-04-19T21:18:28","modified_gmt":"2021-04-19T19:18:28","slug":"die-kunst-falsch-zu-reisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/die-kunst-falsch-zu-reisen\/","title":{"rendered":"&#8222;Die Kunst, falsch zu reisen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Kurt Tucholsky (1890-1935) war ein deutscher Journalist und z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. Als Reisender gab er seine politischen \u00dcberzeugungen niemals auf. Er lebte zun\u00e4chst einige Jahre in Frankreich und starb in seiner Wahlheimat Schweden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seinem 1927 erschienenen, essayistischen Pyren\u00e4enbuch und zahlreichen anderen Texten, zum Beispiel \u00fcber die franz\u00f6sische Hauptstadt Paris, bem\u00fchte er sich zeitlebens um das deutsch-franz\u00f6sische Verh\u00e4ltnis. V\u00f6lkische Kreise bezeichneten ihn deswegen als \u201eFranzosenliebling\u201c und \u201eUndeutschen\u201c. \u201eParis hat Herz\u201c kommentierte er darauf. \u201eDas geradezu l\u00e4cherliche Zerrbild, das der V\u00f6lkische sich und andern von Franzosen an die Wand malt, ist nicht einmal eine Karikatur &#8211; es ist blanker Unsinn.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>1929 befasste er sich in seinem Text \u201edie Kunst, falsch zu reisen\u201c mit ironischem Unterton \u00fcber die neue Reiselust der Deutschen. Die popul\u00e4r werdenden Reiseb\u00fccher nimmt er auf die Schippe. \u201eSieh dir nur die Sehensw\u00fcrdigkeiten an, die im Baedeker stehen. Treibe die deinen erbarmungslos an alles heran, was im Reisehandbuch einen Stern hat &#8211; lauf blind an allem andern vor\u00fcber\u2026\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese neue Art des Reisens, unter Zeitdruck, mit Programm und h\u00f6chsten Erwartungen qualifiziert Tucholsky als eine Art Arbeit. Sp\u00f6ttisch empfiehlt er, unentwegt Ansichtskarten zu schreiben und diese unleserlich zu verfassen, da dies auf gute Laune schlie\u00dfen lasse. Die Hauptregel jeder gesunden Reise ist somit f\u00fcr den Satiriker: \u201eSchimpfe! \u00c4rgere Dich! Mach Betrieb!\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich hat Tucholsky auch einen Gegenentwurf zu bieten: \u201edie Kunst, richtig zu reisen.\u201c Erste Empfehlung ist hier: Entwirf, deinen Reiseplan im gro\u00dfen &#8211; und lass dich im einzelnen von der bunten Stunde treiben.\u201c Die gr\u00f6\u00dfte Sehensw\u00fcrdigkeit ist f\u00fcr den Schriftsteller die Welt selbst. Dar\u00fcber hinaus mahnt er auf Reisen ein bescheidenes Auftreten an: \u201eNiemand hat heute ein so vollkommenes Weltbild, da\u00df er alles verstehen und w\u00fcrdigen kann: hab den Mut zu sagen, da\u00df du von einer Sache nichts verstehst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kunst des Reisens f\u00fchrt aus dieser Sicht zu einer anderen Maxime: \u201eEntspanne dich. La\u00df das Steuer los. Trudele durch die Welt. Sie ist so sch\u00f6n: gib dich ihr hin, und sie wird sich dir geben!\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurt Tucholsky, Die Kunst falsch zu reisen, idb Verlag<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurt Tucholsky (1890-1935) war ein deutscher Journalist und z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. Als Reisender gab er seine politischen \u00dcberzeugungen niemals auf. Er lebte zun\u00e4chst einige Jahre in Frankreich und starb in seiner Wahlheimat Schweden. 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