{"id":266,"date":"2021-06-02T15:13:19","date_gmt":"2021-06-02T13:13:19","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=266"},"modified":"2021-06-02T15:13:19","modified_gmt":"2021-06-02T13:13:19","slug":"ahrenshoop-das-kuenstlerdorf-an-der-ostsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/ahrenshoop-das-kuenstlerdorf-an-der-ostsee\/","title":{"rendered":"Ahrenshoop: Das K\u00fcnstlerdorf an der Ostsee"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt viele Gr\u00fcnde nach Ahrenshoop, zwischen Dar\u00df und Fischland gelegen, zu fahren. Die einmalige Atmosph\u00e4re am Strand, die Lichtverh\u00e4ltnisse und das schmucke Fischerdorf selbst, mit seiner ungew\u00f6hnlichen Geschichte, garantieren ein unvergessliches Erlebnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir parken unser Wohnmobil gerne am Strandaufgang 3 und wandern dann an der K\u00fcste entlang bis zu den Klippen. Von dort bietet sich der Gang zum Kunstmuseum an. Seit 1892 siedelten sich in dem Dorf K\u00fcnstlerInnen an, die den legend\u00e4ren Ruf der Kolonie begr\u00fcnden. Ahrenshoop wird Teil eines europ\u00e4ischen Netzwerkes der Kunst. Die Ausstellung verschafft einen \u00dcberblick \u00fcber wichtige Maler dieser Zeit. In weiteren R\u00e4umen begegnet man dann zeitgen\u00f6ssischen K\u00fcnstlern und ihren Werken.<\/p>\n\n\n\n<p>Unbedingt sollte man in dem Museum das \u00d6lgem\u00e4lde \u201eder alte Schifferfriedhof in den D\u00fcnen\u201c (1893) von dem Landschaftsmaler und Mitgr\u00fcnder der Kolonie, Paul M\u00fcller-Kaempff, sehen. Der Maler erkl\u00e4rte in seinem Tagebuch den Eindruck des Ortes, der f\u00fcr ihn eine Erfahrung des Friedens und der Einsamkeit verk\u00f6rpert. Diesseits und Jenseits: Die Friedhofsszene erinnert an die Sturmflut im November 1872, die die ungesch\u00fctzte Gemeinde verheerend traf. Ein Trauma. Einige Tage nach dem Schrecken findet das erste Begr\u00e4bnis auf dem Schifferfriedhof statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gewalt von Wasser und Wind, die vorbeiziehenden Wolken, Himmel und Meer, die idyllischen Fischerh\u00e4user, sind immer wieder die bevorzugten Motive der K\u00fcnstler. Wer das Wechselspiel der inneren Erfahrung und des \u00e4u\u00dferen Ausdruckes der MalerInnen tiefer studieren will, begegnet auf dem \u201eKunstpfad Ahrenshoop\u201c an ausgesuchten Pl\u00e4tzen ihren Motiven. Wie unterschiedlich man diese Landschaft, die Menschen und ihre H\u00e4user sehen kann, ist eine faszinierende, ja zeitlose Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Idyll der eigentlichen \u201eK\u00fcnstlerkolonie\u201c w\u00e4hrte nur kurze Zeit, bevor die Wucht der Geschichte das Dorf ergriff. Die Nationalsozialisten \u00e4nderten 1933 die Stra\u00dfennamen: Die alte Dorfstra\u00dfe wird zur Adolf-Hitler-Stra\u00dfe. Der Antisemitismus verdr\u00e4ngte die ewigen Ideale der Kunst. Im Oktober trat die \u201eOrtssatzung \u00fcber die Fernhaltung der Juden aus dem Ostseebad\u201c in Kraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach 1945 versuchte die sowjetische Milit\u00e4radministration, ein \u201eBad der Intelligenz\u201c, zu schaffen. In den folgenden Sommern etabliert sich ein Kulturbund, der eine Begegnung mit Kulturschaffenden und Funktion\u00e4ren erm\u00f6glicht und zudem den BesucherInnen die M\u00f6glichkeit gibt, sich in der Nachkriegszeit \u201esatt zu essen\u201c. Bertolt Brecht besuchte 1950 Ahrenshoop. Der Legende nach hat der Schriftsteller aber nur einige Minuten am Meer verbracht und sich sonst zur\u00fcckgezogen seinem Schreiben gewidmet.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist Ahrenshoop ein Magnet f\u00fcr Touristen und Reisende aus aller Welt. Wer an der Dorfstra\u00dfe, in einem der Caf\u00e9s sitzt, sieht in der Saison die Kolonne der Fahrzeuge vorbeiziehen, die sich langsam durch den Ort schl\u00e4ngeln. Nur selten wird man einen Maler mit seinen Pinseln entdecken, eher fallen die Zeitgenossen auf, die mit ihren Handys die zahlreichen Motive einzufangen versuchen. Erst im Winter ist man dann wieder alleine.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kontext des Reisens, der Arbeit und der Kunst erlebt man in dem Ostseebad nach wie vor. Nicht zuletzt den Galerien und einigen sch\u00f6nen L\u00e4den im Ort gelingt es, mit ihrem Angebot, immer wieder eine Br\u00fccke zwischen dem Vergangenem und Gegenw\u00e4rtigen zu schlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Leseempfehlungen:<\/p>\n\n\n\n<p>Intelligenzbad Ahrenshoop, Zeitschrift f\u00fcr Ideengeschichte 2018, Heft XII\/2<\/p>\n\n\n\n<p>Kristine von Soden, Ahrenshoop h\u00f6chstpers\u00f6nlich, Transit Verlag 2020<\/p>\n\n\n\n<p>Kunstpfad Ahrenshoop, Flyer der Kurverwaltung<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt viele Gr\u00fcnde nach Ahrenshoop, zwischen Dar\u00df und Fischland gelegen, zu fahren. 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