{"id":270,"date":"2021-06-07T17:31:46","date_gmt":"2021-06-07T15:31:46","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=270"},"modified":"2021-06-07T17:31:47","modified_gmt":"2021-06-07T15:31:47","slug":"mit-willemsen-unterwegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/mit-willemsen-unterwegs\/","title":{"rendered":"Mit Willemsen unterwegs"},"content":{"rendered":"<p>Das Erlebnis einer Lesung mit Roger Willemsen bleibt f\u00fcr tausende BesucherInnen unvergessen. Wie kein Zweiter verf\u00fcgte der &#8211; leider schon 2016 verstorbene &#8211; Schriftsteller \u00fcber das Verm\u00f6gen sein Publikum in den Bann zu ziehen. Seine sprachliche Meisterschaft, verbunden mit Einf\u00fchlsamkeit, Witz und Tiefe und die Weite seiner Themen, vom Menschlich-Allzumenschlichen bis in das Politische, faszinierten. Wer sich in diesen Jahren auf seiner Webseite informierte, staunte \u00fcber das Pensum des Allrounders. Reisen, Arbeiten und Kunst lie\u00dfen ihn kaum einen Abend zur Ruhe kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kritik musste anerkennen, dass dieser Mann nur kurz am Bahnhof zu sichten war und sogleich wieder im Zuge sa\u00df. Immer ein Schritt voraus, ein Reisender, in jeder Hinsicht. Die Themen entsprechend vielf\u00e4ltig: Willemsen erkundete Deutschland nach der Wende, besuchte die Enden der Welt, verbrachte Monate im Deutschen Bundestag, wurde in Bangkok oder Kabul gesichtet und erforschte den \u201eKnacks\u201c in der menschlichen Existenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer die Essenz des Unterwegs-Seins dieses gro\u00dfen Mannes fassen m\u00f6chte (\u201eim Transit\u201c) findet eine gelungene \u00dcbersicht entsprechender Szenen, Anekdoten und geistreicher Kommentare in dem Sammelband \u201eUnterwegs. Vom Reisen\u201c, im Jahr 2020 herausgegeben von Insa Wilke. Willemsen: \u201eMan ist immer entweder ein Heimischer oder ein Fremder. Ich bin immer wieder lieber ein Fremder.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In \u201eBest Agers Reisen\u201c beschreibt er die existentiellen Grundbedingungen jeder gelungenen Expedition. Scheitern ist immer eine M\u00f6glichkeit, dann, wenn man nicht \u201etranszendiert\u201c, nichts findet was das Herz bewegt und so das Zwecklose der eigenen Bewegung, oft im Einklang mit dem parallel verlaufenden Arbeitsritus, zu akzeptieren hat. \u201eDass er verreist war\u201c, so stellt Willemsen fest, \u201edas erkennt der Mensch an den unverwechselbaren, an einen Ort gebundenen Erfahrungen, die er nur dort machen konnte.\u201c Der erfahrene Reisende sucht so nach Zielen jenseits der Postkartensch\u00f6nheit, denn er ahnt, dass nichts mehr ist, wie es einmal war. Das Reisen macht den Jungen reifer und den \u00c4lteren jugendlicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Wunderbar liest sich der ver\u00f6ffentlichte Vortrag \u00fcber die Poetik des Fortfahrens. Willemsen zeigt sich hier selbst als aufmerksamer Leser, der seine Ausf\u00fchrungen mit zahlreichen Zitaten aus der Welt der Literatur versieht. Er erz\u00e4hlt die Geschichte des Reisens, der Reiseliteratur, die f\u00fcr ihn eine Frage der Erkenntnis, des Verstehens und der Sinnsuche ist. \u201eDer Reisende in dieser Bedeutung existiert im Zeitma\u00df des Verweilens, der Tourist lebt in der Kategorie des Augenblicklichen, sein Medium ist der Schnappschuss, die Manifestation seiner Erfahrung das Souvenir\u201c schreibt er.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich aufmacht, das Verbl\u00fcffende, das Entt\u00e4uschende das Einzigartige und das Faszinierende des Fortfahrens zu entdecken, wird durch diese Lekt\u00fcre vorbereitet. Eine Sehschule. Das Reisen ist f\u00fcr Willemsen ein Gleichnis: das Fest des Lebens und die eigene Frage in Gestalt. Seine letzte Fahrt, nachdem er von seiner unheilbaren Krankheit erfuhr, f\u00fchrte ihn nach Norwegen. Er sa\u00df, wie man erz\u00e4hlt, an seinem Lieblingsort an einem Fjord.<\/p>\n\n\n\n<p>Roger Willemsen, Unterwegs \u2013 vom Reisen, Fischer Taschenbuch, 2020<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Erlebnis einer Lesung mit Roger Willemsen bleibt f\u00fcr tausende BesucherInnen unvergessen. Wie kein Zweiter verf\u00fcgte der &#8211; leider schon 2016 verstorbene &#8211; Schriftsteller \u00fcber das Verm\u00f6gen sein Publikum in den Bann zu ziehen. 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