{"id":282,"date":"2021-07-07T10:07:26","date_gmt":"2021-07-07T08:07:26","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=282"},"modified":"2021-09-17T11:41:44","modified_gmt":"2021-09-17T09:41:44","slug":"parkplaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/parkplaetze\/","title":{"rendered":"Parkpl\u00e4tze"},"content":{"rendered":"<p>Es ist eines der ungew\u00f6hnlichsten B\u00fccher der Reiseliteratur: \u201eDie Autonauten auf der Kosmobahn\u201c. Das Schriftstellerpaar Julio Cortazar und Carol Dunlop, beide sterbenskrank, reisen in den 80er Jahren mit ihrem VW Bus von Paris nach Marseille. Ihre Expedition folgt ihren eigenen Regeln, sie verlassen zu keinem Zeitpunkt die Autobahn und besuchen 63 Parkpl\u00e4tze f\u00fcr jeweils einen halben Tag. Die Fahrt wird \u00fcber 6 Wochen dauern. Ihr Reisebericht ist ein surreales Dokument, voller Witz, Ironie und tiefsinnigen Betrachtungen. Der Leser wird auf eine Reise mitgenommen, die die \u00fcblichen Vorstellungen von Raum und Zeit aufl\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Zeit \u00e4tzt sich in den Raum, ver\u00e4ndert ihn; wir k\u00f6nnen uns schon jetzt keinen wesentlichen Unterschied mehr zwischen diesem Rastplatz und den letzten vorstellen, die uns einen Tag vor dem Ende der Expedition erwarten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Parkpl\u00e4tze werden nicht etwa monoton erfahren, sondern zeigen sich als Orte der Vielf\u00e4ltigkeit, sie sind kleine Mikrokosmen. Die beiden Schriftsteller entdecken die Natur, Menschen und andere Merkw\u00fcrdigkeiten, sie tr\u00e4umen und lassen die Dinge auf sich wirken. Die Autobahn wird zu einem langen, stillen Fluss. Unbewusst folgen sie dem Grundsatz der Surrealisten, dass das Wunder, jenseits der Sehensw\u00fcrdigkeiten der Reisef\u00fchrer, \u00fcberall zu entdecken ist, zumindest dann, wenn das Herz und die Sinne daf\u00fcr ge\u00f6ffnet sind. In der Unabh\u00e4ngigkeit von Ort und Zeit entfaltet sich ein Zustand der Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Symptome der Autobahn \u2013 Monotonie, Zeit und Raum als Obsession, Erm\u00fcdung \u2013 existieren f\u00fcr uns nicht, kaum sind wir drauf, verlassen wir sie schon wieder, vergessen sie f\u00fcr f\u00fcnf, zehn Stunden, f\u00fcr eine ganze Nacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auf unserer Reise nach Spanien w\u00e4hlen wir spontan einen Parkplatz, um die Eindr\u00fccke des Buches an einem Originalschauplatz auf uns wirken zu lassen. Wir fahren an den sanit\u00e4ren Einrichtungen vorbei und suchen, einem Rat der Autoren folgend, nach einer ruhigeren Ecke. Sie findet sich am Ende der Anlage. Hier f\u00fchrt ein kleiner Steinweg zu einem Baum und einer Bank. Nach einer Weile ahnen wir den Zauber, den jeder Ort in sich tr\u00e4gt. Wir beobachten V\u00f6gel, h\u00f6ren den Lastwagen zu, die an uns vorbeidonnern, und nicken den Reisenden zu, die hier eine Pause machen. Das Schlusskapitel des erstaunlichen Buches, das Julio Cortazar alleine zu Ende schreiben muss, seine Frau ist inzwischen gestorben, lesen wir hier, irgendwo an der A7. Wir verbringen so zwei angenehme Stunden unter der Sonne S\u00fcdfrankreichs.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eines der ungew\u00f6hnlichsten B\u00fccher der Reiseliteratur: \u201eDie Autonauten auf der Kosmobahn\u201c. Das Schriftstellerpaar Julio Cortazar und Carol Dunlop, beide sterbenskrank, reisen in den 80er Jahren mit ihrem VW Bus von Paris nach Marseille. Ihre Expedition folgt ihren eigenen &#8230; <a href=\"https:\/\/campingkunst.de\/en\/parkplaetze\/\" rel=\"nofollow\">Weiterlesen<\/a><\/p>","protected":false},"author":2,"featured_media":283,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"give_campaign_id":0,"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-282","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reisewege"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/282","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=282"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/282\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":312,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/282\/revisions\/312"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/283"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}