{"id":355,"date":"2022-01-30T12:29:29","date_gmt":"2022-01-30T11:29:29","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=355"},"modified":"2022-01-30T12:29:30","modified_gmt":"2022-01-30T11:29:30","slug":"der-traum-vom-paradies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/der-traum-vom-paradies\/","title":{"rendered":"Der Traum vom Paradies"},"content":{"rendered":"<p>Im 18. Jahrhundert er\u00f6ffnen sich dem Menschen neue Reisewege und Erfahrungshorizonte. Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) erlebt auf einem Ruderboot auf dem Bieler See das reine Gl\u00fcck des Nichtstuns. Das Buch Xavier de Maistre&#8217;s (1763-1852), der einen Hausarrest in Form einer 40-t\u00e4gigen Zimmerreise beschreibt, wird weltber\u00fchmt. Der Naturforscher Georg Forster (1754-1794) schafft eine neue Gattung, die wissenschaftliche Reiseliteratur. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1772 begleitet er seinen Vater auf einer dreij\u00e4hrigen Expedition mit dem legend\u00e4ren Seefahrer James Cook. In diesen Wintertagen lesen wir seinen ber\u00fchmten Erfahrungsbericht \u201eReise um die Welt\u201c. Auf eintausend Seiten beschreibt der damals 17 Jahre alte Forster seine Abenteuer, die ihn weiter nach S\u00fcden f\u00fchrt, als je einen Menschen zu vor. Sein Hauptaugenmerk gilt dabei immer den Einheimischen, denen er begegnet, ihrem Verhalten, ihren Br\u00e4uchen, Sitten und Religionen sowie ihren Gesellschaftsformen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Grundhaltung ist frei von dem \u00fcblichen Rassismus seiner Zeit. Er stellt vielmehr fest, \u201eda\u00df die Natur des Menschen zwar \u00fcberall klimatisch verschieden, aber im ganzen, sowohl der Organisation nach, als in Beziehung auf die Triebe und den Gang ihrer Entwicklung, spezifisch dieselbe ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch beschreibt eindrucksvoll die einsamen Stunden einer einf\u00f6rmigen Seefahrt und die zahlreichen Landg\u00e4nge, die ihn zu den Wundern der Natur f\u00fchren. Der Reiseschriftsteller erahnt die Folgen seiner Entdeckungen. \u201eEin entdecktes Paradies ist kein Paradies mehr\u201c folgert er im Anblick bisher unber\u00fchrter Landschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Forster ist sich bewusst, dass seine Erkenntnisse \u00fcber diese Welt, eines Tages den imperialen und \u00f6konomischen Motiven der Seem\u00e4chte nutzen werden. Die Interessen der gro\u00dfen Handelsgesellschaften aus dem Westen bedrohen die idyllische Inselwelt der S\u00fcdsee. Sein Fazit \u00fcber die Begegnung der Zivilisationen f\u00e4llt daher n\u00fcchtern aus:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn die Wissenschaft und Gelehrsamkeit einzelner Menschen auf Kosten der Gl\u00fcckseligkeit ganzer Nationen erkauft werden mu\u00df, so w\u00e4re es f\u00fcr die Entdecker und Entdeckten besser, da\u00df die S\u00fcdsee den unruhigen Europ\u00e4ern auf ewig unbekannt geblieben w\u00e4re.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Was bleibt, ist der Mythos der S\u00fcdsee, der die folgenden Generationen pr\u00e4gen wird. Die Bilder des franz\u00f6sischen Malers Paul Gauguin (1848-1903) \u00fcber den Alltag auf Tahiti inspirieren die Tr\u00e4ume der Europ\u00e4er. Im Jahre 1890 schreibt er, dass die \u201egl\u00fccklichen Bewohner eines unbeachteten Paradieses in Ozeanien vom Leben nichts anderes kennen als seine S\u00fc\u00dfe. F\u00fcr sie hei\u00dft Leben Singen und Lieben\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der urspr\u00fcnglichen Begeisterung folgt bald eine &#8211; von Forster vorausgesehene &#8211; grunds\u00e4tzliche Ern\u00fcchterung \u00fcber die Entzauberung der S\u00fcdsee:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Leben zu Papeete wurde mir bald zur Last. Das war ja Europa \u2013 das Europa, von dem ich mich zu befreien geglaubt hatte \u2013 und noch dazu unter den erschwerenden Umst\u00e4nden des kolonialen Snobismus und der bis zur Karikatur grotesken Nachahmung unserer Sitten, Moden, Laster und Kulturl\u00e4cherlichkeiten.\u201c<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im 18. Jahrhundert er\u00f6ffnen sich dem Menschen neue Reisewege und Erfahrungshorizonte. Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) erlebt auf einem Ruderboot auf dem Bieler See das reine Gl\u00fcck des Nichtstuns. 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