{"id":389,"date":"2022-06-01T12:40:47","date_gmt":"2022-06-01T10:40:47","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=389"},"modified":"2022-06-01T12:40:48","modified_gmt":"2022-06-01T10:40:48","slug":"rueckblick-musee-du-balzac","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/rueckblick-musee-du-balzac\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick: Mus\u00e9e du Balzac"},"content":{"rendered":"<p>Gibt es so etwas wie den perfekten Ort? Auf dem Weg vom Loiretal zum Atlantik verfahren wir uns. Die Stra\u00dfe ist blockiert und zwingt uns zu einem Umweg, zuf\u00e4llig entdecken wir ein Schild mit dem Hinweis \u201eMus\u00e9e du Balzac\u201c. Das kleine Gutshaus in Sach\u00e9, mit seinem von Licht durchfluteten Garten geh\u00f6rt sicher nicht zu den gro\u00dfen Sehensw\u00fcrdigkeiten der Region, mit seinen \u00fcber 1000 prachtvollen Schl\u00f6ssern. Aber, ja, f\u00fcr uns ist es an diesem sonnigen Tag der perfekte Ort.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Haus ist liebevoll renoviert und das kleine Museum f\u00fchrt in die Atmosph\u00e4re Frankreichs des 19. Jahrhunderts ein. Im Mittelpunkt der stilvolle Salon, Treffpunkt von Adligen, Musikern und Dichtern. Hier hat der franz\u00f6sische Schriftsteller Balzac, der hier einige Wochen verbrachte und \u00fcber eine eigene Kammer verf\u00fcgte, die G\u00e4ste des Hauses unterhalten. \u201eIch bin froh, hier zu sein, wie ein M\u00f6nch in einem Kloster\u201c schreibt er an seine gro\u00dfe Liebe aus der Ukraine: Frau Hanska.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier sind Teile seines Werkes, Dutzende B\u00fccher mit 573 wiederkehrenden Charakteren, die ein einmaliges Sittengem\u00e4lde schaffen und die menschliche Kom\u00f6die seiner Epoche abbilden, entstanden. Die sch\u00f6pferische Kraft dieses Mannes ist beeindruckend, das Arbeitspensum gewaltig. Balzac&#8217;s Arbeitstage beginnen oft nach Mitternacht, n\u00e4chtelang schreibt er wie im Rausch, bis in den Morgen hinein, dann nimmt er ein Bad, ein kleines Fr\u00fchst\u00fcck, verfasst Briefe und korrigiert seine Druckfahnen bis in den sp\u00e4ten Mittag.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Energie gewinnt er aus dem Konsum unz\u00e4hliger Tassen Kaffee. \u00dcber seine Inspirationsquelle schreibt er: \u201eDie Folge davon ist eine allgemeine Aufregung: die Gedanken kommen in eine Verwirrung, wie die Bataillone der gro\u00dfen Armee auf dem Schlachtfelde, und die Schlacht findet eben statt. Die Erinnerungen st\u00fcrmen im Laufschritt eines heftigen Angriffes mit fliegenden Fahnen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Buchladen des Museums kaufen wir die Biografie Stefan Zweigs \u00fcber dieses Genie, und &#8211; mit zwei Tassen Kaffee ausgestattet &#8211; setzen wir uns unter einen Ahornbaum. Wir sind alleine hier, der Garten mit seinen Blumenbeeten ist mit einer Steinmauer eingefasst. F\u00fcr uns gibt es keinen Grund zur Weiterreise.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir lesen einige Passagen aus dem Meisterwerk Zweig\u00b4s. Balzac erscheint in seinen Schilderungen als eine faszinierende Gestalt, die durch seinen Willen gepr\u00e4gt ist. Er ist ein Napoleon der Feder, aber ein tragisch erfolgloser Gesch\u00e4ftsmann. Er gr\u00fcndet eine Druckerei, t\u00e4tigt Grundst\u00fccksgesch\u00e4fte oder plant den Betrieb einer Mine in Sizilien. Seine Ideen sind durchweg \u00f6konomisch sinnvoll. Nur, nichts gelingt ihm, er wird immer \u00e4rmer, die Profite streichen andere nach seinem Bankrott ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Schicksal bleibt von Schulden und Gl\u00e4ubigern bestimmt, ein Jahrzehnt lang schreibt er aus Geldnot heraus Literatur auf Bestellung und erst sp\u00e4t erscheint sein eigener Name auf seinen B\u00fcchern. Jedes Werk ist meist schon vor der Vollendung verpf\u00e4ndet. Er tr\u00e4umt von einer gro\u00dfen Liebe, einer Heirat, die nebenbei seine Finanzprobleme l\u00f6st. Erst kurz vor seinem Tod erf\u00fcllt sich dieser Traum in einer Ehe mit einer verm\u00f6genden, ukrainischen Adligen. Seine Hinterlassenschaft ist eine einmalige Beschreibung unz\u00e4hliger Figuren aus allen Schichten der Gesellschaft. Was wir uns heute unter dieser Epoche vorstellen, vieles davon stammt aus seiner Feder.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt es so etwas wie den perfekten Ort? Auf dem Weg vom Loiretal zum Atlantik verfahren wir uns. Die Stra\u00dfe ist blockiert und zwingt uns zu einem Umweg, zuf\u00e4llig entdecken wir ein Schild mit dem Hinweis \u201eMus\u00e9e du Balzac\u201c. 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