{"id":397,"date":"2022-06-10T22:07:42","date_gmt":"2022-06-10T20:07:42","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=397"},"modified":"2022-06-10T22:07:43","modified_gmt":"2022-06-10T20:07:43","slug":"das-verlorene-paradies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/das-verlorene-paradies\/","title":{"rendered":"Das verlorene Paradies"},"content":{"rendered":"<p>In Praia de Mira entdecken wir es, am Strand und nicht einmal versteckt: das Paradies. Auf der Holzterrasse \u00fcberblickt man an runden, blauen Tischen den ganzen Strand. Der Atlantik braust vor uns auf, die Wellen klatschen regelm\u00e4\u00dfig auf den Sand, der Himmel ist tiefblau und die Sonne steht hoch. Der freundliche Kellner serviert uns einen starken Kaffee und &#8211; nebenbei &#8211; die \u00e4u\u00dferst g\u00fcnstige Rechnung, die allen Gesetzen der Inflation trotzt. Wir sitzen eine Stunde lang und es gibt nach angestrengtem Nachdenken keinen Grund zur Klage. Es ist der perfekte Ort.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mensch neigt dazu, angenehme Erfahrungen zu wiederholen. Am n\u00e4chsten Morgen ruft uns die \u00d6rtlichkeit zur\u00fcck, zum Morgenkaffee. Allerdings m\u00fcssen wir entt\u00e4uscht feststellen, das Paradies hat \u00d6ffnungszeiten. Die Sonnenschirme sind eingeklappt, der Kellner schl\u00e4ft zu Hause. Wir sind nur kurz ern\u00fcchtert, es gilt ein, zwei Stunden zu warten und zum Nachmittagskaffee zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Am fr\u00fchen Nachmittag ist es so weit, das Wetter ist ein wenig eingetr\u00fcbt, aber die Terrasse f\u00fcr G\u00e4ste offen. Wir nehmen Platz und ja, der Ort hat nichts an seiner Perfektion verloren. Der Kaffee schmeckt nach wie vor hervorragend und wir lehnen uns entspannt zur\u00fcck. In der Ferne h\u00f6rt man nicht nur die Wellen, sondern ein leises Rattern, das langsam zu einem \u00e4chzenden Knarren wird. Eine Planierraupe ist ein Wunderwerk der Technik (man denke an die komplex ineinandergreifenden Ketten), nur, sie ist eben laut. Vor uns schiebt das Unget\u00fcm einen kleinen Berg Sand vor sich her, kehrt am unteren Teil des Strandes um, f\u00e4hrt zur\u00fcck, um eine neue Ladung abzuholen und zu verteilen. Der Beobachter muss kein Pessimist sein, um zu ahnen, dass diese Aufgabe gewaltig ist und ein Ende der Arbeiten nicht in Sicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir erinnern uns an eine kleine Randbemerkung in unserem Reisef\u00fchrer, ein Hinweis, dass diese K\u00fcste von Erosion bedroht ist. Hier wird vermutlich versucht, durch das Verschieben des Sandes, dieses Ph\u00e4nomen zu beeinflussen. Die Aktion wirkt aus der eigenen Sicht heraus absurd, sie hat aber ihre Berechtigung und eine wissenschaftliche Notwendigkeit. Man ertr\u00e4gt den L\u00e4rm leichter, wenn er begr\u00fcndet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Murren akzeptieren wir die Lage und sinnen kurz dar\u00fcber, ob wir den Ort am Vortag nicht mit dem Charakteristikum \u201eparadiesisch\u201c h\u00e4tten umschreiben sollen. Worte haben ihr Gewicht und derartige Benennungen rufen nach ihrem Gegenteil, meist in Form einer St\u00f6rung, die daran erinnert, dass es das Traumland diesseitig nicht gibt. Immer wieder sind wir zum Aufbruch und neuer Suche gen\u00f6tigt und die Endlichkeit unserer Erfahrungen, nach dem wir f\u00fcndig werden, spricht daf\u00fcr, dass der Aufenthalt darin nie auf Dauer gelingt. Bis wir, so Gott will, eben ins Paradies kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der franz\u00f6sische Schriftsteller Marcel Proust hat es so formuliert: \u201eDas Paradies ist immer ein verlorenes Paradies.\u201c<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Praia de Mira entdecken wir es, am Strand und nicht einmal versteckt: das Paradies. 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