{"id":412,"date":"2022-07-09T13:19:56","date_gmt":"2022-07-09T11:19:56","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=412"},"modified":"2022-07-09T13:19:56","modified_gmt":"2022-07-09T11:19:56","slug":"rueckblick-granada","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/rueckblick-granada\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick: Granada"},"content":{"rendered":"<p>Eine Woche haben wir auf dem Campingplatz in Granada verbracht und nicht nur dort einige Reisende kennengelernt. Die Stadt ist ein Sehnsuchtsort und Schmelztiegel der Kulturen. Im Jahr 1910 besuchte der Maler Henri Matisse die Alhambra und l\u00e4sst uns an seiner Begeisterung teilnehmen: \u201eGranada ist so ergreifend, dass alle Sinne sich aufl\u00f6sen und dahinschmelzen\u201c. Seine Erfahrung ist zeitlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerne wandern wir die steilen Gassen des Albaicins hinauf, h\u00f6ren Musikern auf den kleinen Pl\u00e4tzen zu und bewundern die H\u00e4user im maurischen Stil. Obwohl wir hier zum ersten Mal vor drei\u00dfig Jahren waren, haben immer wieder das Gef\u00fchl einen neuen Weg einzuschlagen. Das Viertel pulsiert heute wie fr\u00fcher, wenn auch die Immobilienpreise  inzwischen ins Unerschwingliche gestiegen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Platz San Nicholas trifft sich die Welt und bewundert die Sonnenunterg\u00e4nge vor dem Hintergrund der Alhambra und der Sierra Nevada. Die Kirche und die neue Moschee der Stadt sind hier einige Schritte voneinander entfernt und stehen heute f\u00fcr ein friedliches Miteinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Cees Nooteboom, der niederl\u00e4ndische Meister der Reiseliteratur, beschreibt die Szene: \u201eDie r\u00f6tlichen Mauern der Alcazaba, deren T\u00f6nung sich von Stunde zu Stunde ver\u00e4ndert, die geordneten G\u00e4rten rings um mich, der angefressene Backstein der Festungsmauern, der bei bestimmte Sonnenlicht zu bluten scheint\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Text \u201eAbschied von Granada &#8211; der Blinde und die Schrift\u201c, der sich in dem Buch \u201eReisen durch die islamische Welt\u201c findet, geh\u00f6rt zum Besten, was wir gelesen haben. Die Beschreibung seines Besuches in der Alhambra im Jahr 1992 zeigt nicht nur die sprachliche Meisterschaft des Autors. Er l\u00e4sst den Leser an einer Metamorphose teilnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem Aufenthalt in der Wintermoschee von Teheran war er zun\u00e4chst der Ansicht, dass arabische Kunst unmenschlich sei, weil sie weder Gesichter noch Gestalten darstellt, an denen er sich festhalten konnte. Jahre sp\u00e4ter, in seinem Besuch im L\u00f6wenhof der Alhambra, erkennt er eine andere Dimension der Erkenntnis: die Schrift.<\/p>\n\n\n\n<p>Was er zun\u00e4chst f\u00fcr Verzierungen an einem Brunnen h\u00e4lt, zeigen sich ihm bei genauerem Hinsehen als Worte. Er entdeckt \u201eeinen in sich selbst nachlaufenden, in sich selbst zur\u00fcckflie\u00dfenden Arabeskenstrom\u201c. Nicht nur die Welt bewegt sich, sondern ebenso die Schriftzeichen, die sie beschreiben. Der Raum erkl\u00e4rt sich hier, so schlie\u00dft der Schriftsteller, durch das Geschriebene. Die Liebe zur Weltliteratur verkn\u00fcpft die Menschen jenseits ihrer Herkunft oder Konfession. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir verlassen die Stadt immer wieder mit dem Entschluss bald zur\u00fcckzukehren.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Woche haben wir auf dem Campingplatz in Granada verbracht und nicht nur dort einige Reisende kennengelernt. Die Stadt ist ein Sehnsuchtsort und Schmelztiegel der Kulturen. 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