{"id":415,"date":"2022-07-13T19:46:29","date_gmt":"2022-07-13T17:46:29","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=415"},"modified":"2022-07-13T19:46:30","modified_gmt":"2022-07-13T17:46:30","slug":"licht-und-schatten-in-collioure","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/licht-und-schatten-in-collioure\/","title":{"rendered":"Licht und Schatten in Collioure"},"content":{"rendered":"<p>Auf l\u00e4ngeren Reisen bestaunt man die Natur, bewundert das Land, das Meer, die St\u00e4dte und tr\u00e4umt an besonderen Orten. Ab und zu stellen wir uns auch die M\u00f6glichkeit vor, den Hausschuh l\u00e4ngerfristig abzustellen. So geschehen in Collioure, dass wir auf der Fahrt an der K\u00fcste entlang von Portbou in Richtung Perpignan entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Hausschuh stellen wir an einem kleinen Campingplatz am Strand Ouille ab und laufen am Morgen \u00fcber die Klippen in die K\u00fcnstlerkolonie an der Cote-Vermeille. Die Landschaft ist gepr\u00e4gt von Licht, Schatten und dem Mittelmeer. Hier hat Henri Matisse zu Beginn des 20. Jahrhunderts, zu seiner Begeisterung, ein unvergleichliches Blau gefunden und eine Malschule, den Fauvismus, begr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Dorf setzen wir uns zun\u00e4chst in ein schattiges Caf\u00e9 und lassen die Atmosph\u00e4re auf uns wirken. \u00dcber den Zirkel rund um Matisse lesen wir: \u201eWas sie vereinigt hat, war der Einsatz von schimmernden Farben, auf der Suche nach einem neuen Ausdruck. In Anwendung eines neuen Konzepts des Lichts, vereinfachten sie die Linien und lehnten Perspektiven ab, um einen mehr poetischen Raum zu schaffen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir besuchen den alten Friedhof der Stadt. Hier begegnet uns wieder der Lyriker Antonio Machado (1875-1939), der hier nach der Flucht aus dem spanischen B\u00fcrgerkrieg seinen Frieden gefunden hat und dessen Lekt\u00fcre uns ein Buchh\u00e4ndler in Sevilla empfahl. Am Grab staunt man \u00fcber einen gef\u00fcllten Briefkasten mit Briefen, die die Verehrer des Dichters hinterlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gang durch die Gemeinde \u00fcberrascht mit immer neuen Perspektiven, auf das Meer, in schattige Gassen hinein, auf die Burg, die Weinberge, die Bergketten und &#8211; von einer vorgelagerten Insel, gegen\u00fcber der Wehrkirche, auf das ganze Ensemble. Das k\u00f6nigliche Schloss teilt, wie man von hier aus sieht, den Ort in zwei Teile.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir besuchen die Brasserie des Templiers am Hafen, ein dunkler, geschmackvoll mit Ledersesseln eingerichteter Raum. Gegen\u00fcber der einem Schiffsrumpf nachgebildeten Theke und halten wir vergeblich Ausschau nach einem Picasso oder Matisse. Vor einigen Jahren hing eine Auswahl von Gem\u00e4lden, insgesamt \u00fcber 2000 Werke, mit denen diverse K\u00fcnstler ihre Rechnungen beglichen, teilweise an der Wand. Beim Blick durch das Fenster auf die Terrasse erinnert man sich wieder an Matisse, das Zusammenspiel des Lichts und der Farben ist \u00fcberw\u00e4ltigend.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende des Stadtstrandes mit seinen Palmen klettern wir schwitzend die Stufen zur M\u00fchle hinauf und werden mit einem einmaligen Blick auf das Meer und die Gegend belohnt. Anschlie\u00dfend besuchen wir das kleine Kunstmuseum am Fu\u00df des Berges. Hier wird das Andenken an zahlreiche Maler und Malerinnen gepflegt, die diese Landschaft und ihre Menschen in ihren Werken spiegeln. Die polnische Malerin Mela Muter (1876-1967) widmet eines ihrer melancholischen Bilder zwei Senegalesen, die hier im 1. Weltkrieg ihren Dienst schoben. Das Schicksal des j\u00fcdischen K\u00fcnstlers Otto Freundlich (1878-1943), der in seinem Exil denunziert wurde und in einem Konzentrationslager der Nazis umkam, ersch\u00fcttert bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einmalige Landschaft ist die Kulisse tragischer Geschichten. Die \u00f6sterreichische Widerstandsk\u00e4mpferin Lisa Fittko (1909-2005) organisierte im Nachbarort unter Anderen die Flucht des Philosophen Walter Benjamin, der sich in Portbou ersch\u00f6pft das Leben nahm, nach Spanien. Das Gleichnis, oder sagen wir, das Geheimnis von Licht und Schatten, hier in Collioure empfindet man es.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Heimweg begleitet uns der Grabspruch Machados:<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn der letzte Tag der letzten Reise gekommen ist,<br>Und das Schiff, das nie zur\u00fcckkehren wird, dabei ist abzulegen,<br>Werdet ihr mich leicht beladen an Bord finden,<br>fast nackt, wie die S\u00f6hne des Meeres.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf l\u00e4ngeren Reisen bestaunt man die Natur, bewundert das Land, das Meer, die St\u00e4dte und tr\u00e4umt an besonderen Orten. Ab und zu stellen wir uns auch die M\u00f6glichkeit vor, den Hausschuh l\u00e4ngerfristig abzustellen. 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