{"id":419,"date":"2022-07-30T13:42:15","date_gmt":"2022-07-30T11:42:15","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=419"},"modified":"2022-07-30T13:42:15","modified_gmt":"2022-07-30T11:42:15","slug":"chaplin-am-genfer-see","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/chaplin-am-genfer-see\/","title":{"rendered":"Chaplin am Genfer See"},"content":{"rendered":"<p>Auf unserem Heimweg nach Deutschland entscheiden wir uns f\u00fcr einen spontanen Abstecher nach Corsier-sur-Vevey. Seit 2016 ist die denkmalgesch\u00fctzte Villa Manoir de Ban, Wohnsitz von Charlie Chaplin in den Jahren 1953-1977, f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich. Wer den schwindelerregenden Eintrittspreis akzeptiert hat, wandert zun\u00e4chst durch den Park mit seinen alten B\u00e4umen zum Haupthaus. Dort staunen wir \u00fcber die stilvolle Einrichtung der Wohnr\u00e4ume, sehen uns Filmausschnitte und Photos aus dem Alltag und Familienleben des Genies an.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Schnell wird uns klar, dass der Komiker \u00fcber eine sehr ernste Seite verf\u00fcgt. Obwohl er sich selbst als unpolitisch definierte, sind seine Haltungen \u00fcber die Weltpolitik eindeutig formuliert und &#8211; wie das folgende Zitat belegt &#8211; nach wie vor brisant:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWer die \u00d6ffentlichkeit darauf vorbereitet, einen Atomkrieg mit all seinen Schrecken zu akzeptieren, begeht ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und bringt die Welt aus dem Gleichgewicht. Befreien wir uns aus diesem sch\u00e4dlichen Klima. Versuchen wir einander zu verstehen. Denn in einem modernen Krieg gibt es keine Sieger.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Chaplin beschreibt seinen Werdegang und sein turbulentes Leben in seiner Biographie \u201eDie Geschichte meines Lebens\u201c. Seine Jugend ist von Armut und sozialen Missst\u00e4nden gepr\u00e4gt. Er erlebt eine Zeitenwende, nach dem Wahn der Ideologien, dem Krieg, folgt die Welt des technologischen Fortschritts.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl in den 30er Jahren der Tonfilm bereits etabliert war, ver\u00f6ffentlichte der K\u00fcnstler 1936 mit \u201eModerne Zeiten\u201c einen weiteren Stummfilm. Die Produktion war f\u00fcr ihn unter diesen Bedingungen finanziell riskant. Der Einsatz lohnte sich, der Film war ein Erfolg, ist heute Teil einer Legende und beschreibt die Doppeldeutigkeit moderner Technologien und Produktionsweisen. Schon 1923 hatte Chaplin die Ford Werke in Detroit besucht und die moderne Flie\u00dfbandarbeit beobachtet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In den modernen Ausstellungsr\u00e4umen am Rande des Gel\u00e4ndes kann man auf einer begehbaren B\u00fchne in die wichtigste Szene aus diesem Film eintauchen: Der K\u00fcnstler wird von dem R\u00e4derwerk einer gigantischen Maschine verschlungen. Die Frage die Chaplin aufwarf bleibt aktuell: beherrscht der Mensch die Maschinen oder die Maschinen den Menschen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ironischerweise wurde der Pantomime selbst von der technischen Entwicklung der Medien \u00fcberholt. Seine Filme blieben unvergessen und seine Botschaften wirken bis heute nach.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Da Chaplin in <em>Moderne Zeiten<\/em> die Ausw\u00fcchse der Industrialisierung und des Kapitalismus kritisiert, warfen ihm konservative Kreise in den USA eine antikapitalistische und kommunistische Einstellung vor.\u00a0Das amerikanische Visum des Engl\u00e4nders wurde in den 50er Jahren nicht verl\u00e4ngert und die Schweiz seine Wahlheimat.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weltstar kam in seiner Villa am Genfer See zur Ruhe. Seine Biographie schlie\u00dft mit der atmosph\u00e4rischen Bemerkung:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVon solchem Gl\u00fcck erf\u00fcllt, sitze ich in manchmal bei Sonnenuntergang draussen auf unserer Terrasse und blicke \u00fcber den weiten, gr\u00fcnen Rasen zum fernen See hinunter und dar\u00fcber hinaus auf die Zuversicht einfl\u00f6\u00dfenden Berge, und in dieser Stimmung denke ich an nichts und freue mich ihrer grossartigen Gelassenheit.\u201c<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf unserem Heimweg nach Deutschland entscheiden wir uns f\u00fcr einen spontanen Abstecher nach Corsier-sur-Vevey. Seit 2016 ist die denkmalgesch\u00fctzte Villa Manoir de Ban, Wohnsitz von Charlie Chaplin in den Jahren 1953-1977, f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich. 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