{"id":431,"date":"2022-08-19T16:35:33","date_gmt":"2022-08-19T14:35:33","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=431"},"modified":"2022-08-19T18:16:04","modified_gmt":"2022-08-19T16:16:04","slug":"zeitreise-nach-swantow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/zeitreise-nach-swantow\/","title":{"rendered":"Zeitreise nach Swantow"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eSwantow, ein Ort, der nichts und zugleich alles verspricht, der noch Zeit hat, auf den Menschen zu warten, einen ganzen Sommer wenn es sein muss.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir lesen in den \u201eOstseetageb\u00fccher\u201c von Hanns Cibulka und werden von seinem Werk inspiriert eine Art Zeitreise anzutreten. Der Schriftsteller hat 1982 mit \u201eSwantow\u201c einem kleinen Dorf bei Poseritz ein Denkmal gesetzt. Das Tagebuch berichtet von einer fiktiven Beziehungsgeschichte, den Eindr\u00fccken, Erinnerungen und Gedanken des Erz\u00e4hlers, eingebettet in das d\u00f6rfliche Idyll und in die Landschaft R\u00fcgens. Wie alle Besucher der Insel besch\u00e4ftigt sich der Protagonist Andreas mit dem Meer, dem Himmel und dem einmaligen Licht auf der Insel. \u201eDie Landschaft auf R\u00fcgen ist ein atmosph\u00e4risches Ph\u00e4nomen, hier wird man sich des Lichtes wieder bewusst.\u201c\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu DDR-Zeiten war das Buch eine Provokation, denn Cibulka romantisiert nicht die Insel, stellt nicht nur ihre wunderbaren Seiten vor, sondern beschreibt ebenso die Ph\u00e4nomene der Umweltverschmutzung. In Sichtweite des Dorfes ist die Silhouette des ehemaligen Kernkraftwerkes Lubin, auf der anderen Seite des Boddens, erkennbar. Der Autor ahnt, dass der moderne Wohlstand und das Versprechen des ewigen Wachstums auf Sand gebaut sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>In einen sogenannten Lagebericht, verdichtet er die Lage wie folgt: \u201eWir, die Unzufriedenen, die im \u00dcberfluss leben, wir, die auf Wert und Gegenwert aus sind, wir, die alles besitzen, von dem unsere V\u00e4ter nur getr\u00e4umt, pl\u00f6tzlich stehen wir da, mit zu wenig Dasein in der Hand.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Andreas weicht vor dem Riesenhaften der Technik zur\u00fcck und besch\u00e4ftigt sich mit einem Wespenbau in seiner Wohnung. Die Landschaft, die er liebt und die langsam ihre archaische Urspr\u00fcnglichkeit verliert, ist eine Spiegelung seines inneren Zustandes. \u201eDie inneren Spannungen, die eine solche Umwelt ausl\u00f6st, gehen an keinem Menschen vorbei, sie \u00fcbertragen sich auf sein Denken und F\u00fchlen\u201c. Nicht zuletzt ist es der Tod, so stellt Andreas im Gespr\u00e4ch mit seiner Gef\u00e4hrtin fest, den die moderne Gesellschaft verdr\u00e4ngt. Die \u201eOstseetageb\u00fccher\u201c sind Dokumente einer inneren und \u00e4u\u00dferen Reise, die immer wieder an die Sinnfrage erinnern.\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zeitsprung: 40 Jahre nach dem Erscheinen des Buches spazieren wir alleine auf der einzigen Strasse, die durch Swantow f\u00fchrt und \u00fcberlegen, ob und wie sich der Ort &#8211; im Vergleich zu den Beschreibungen der Tageb\u00fccher &#8211; ver\u00e4ndert hat. Die G\u00e4rten sind gepflegt, es riecht nach Lavendel, die meisten H\u00e4user sind vorbildlich herausgeputzt. Vielleicht ein Unterschied zu fr\u00fcher: Man kann sich hier auf Zeit einmieten, aber &#8211; die Grundst\u00fcckspreise auf R\u00fcgen sind ber\u00fcchtigt &#8211; nicht ans\u00e4\u00dfig werden. Und wer von den Bewohnern, die das Privileg geniesen hier zu leben, w\u00fcrde dieses Dorf verlassen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Am Ende der Stra\u00dfe steht die alte Kirche, deren Fundament aus Findlingen und Steinen gebaut wurde. Die Slawen nannten diesen Ort \u201eSwetgora\u201c &#8211; heiliger Berg. Ein Ruhepol. Die Gr\u00e4ber, die unter den schattigen B\u00e4umen liegen, trotzen der Zeit, auch wenn die Namen derjenigen, die hier begraben sind, l\u00e4ngst verwittert sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der ganze Raum stimmt den Besucher ein, entfaltet einen Klang. Im Sommer finden hier Konzerte statt. Die Titel des aktuellen Programmes, \u201eVom Verschwinden\u201c, \u201eMeermusik\u201c oder \u201eBeethoven &#8211; Welten des Ausdruckes\u201c, entfalten Ihre eigene Poesie.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir gehen am Pfarrhof vorbei durch einen Wald zu einer Bank. Man sieht hier keine der Sehensw\u00fcrdigkeiten, die R\u00fcgen ber\u00fchmt gemacht haben. Es ist ein weites Feld.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Tagebuch eines Sommers schlie\u00dft Anfang Oktober mit folgendem Eintrag:&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eSo vieles wurde auch diesen Sommer noch nicht gesagt, man wird wiederkommen m\u00fcssen, weil auch das Ungesagte auf den Menschen wartet..\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Literatur: Hanns Cibulka, Ostseetageb\u00fccher, NOTschriften Verlag <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSwantow, ein Ort, der nichts und zugleich alles verspricht, der noch Zeit hat, auf den Menschen zu warten, einen ganzen Sommer wenn es sein muss.\u201c Wir lesen in den \u201eOstseetageb\u00fccher\u201c von Hanns Cibulka und werden von seinem Werk inspiriert eine &#8230; <a href=\"https:\/\/campingkunst.de\/en\/zeitreise-nach-swantow\/\" rel=\"nofollow\">Weiterlesen<\/a><\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":432,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"give_campaign_id":0,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-431","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reisekunst"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/431","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=431"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/431\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":435,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/431\/revisions\/435"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/432"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=431"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=431"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=431"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}