{"id":443,"date":"2022-09-17T17:36:44","date_gmt":"2022-09-17T15:36:44","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=443"},"modified":"2022-09-17T17:36:45","modified_gmt":"2022-09-17T15:36:45","slug":"zeit-in-ceret","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/zeit-in-ceret\/","title":{"rendered":"Zeit in C\u00e9ret"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDie Sinne deformieren, der Geist formt.\u201c Georges Braque<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem intensiven Aufenthalt in Collioure fahren wir nur ein kurzes St\u00fcck in das benachbarte Pyren\u00e4en-St\u00e4dtchen C\u00e9ret. Wir sind ein wenig ersch\u00f6pft und stellen den Hausschuh auf einem kleinen Campingplatz ab. Ein Idyll mit einer Buddha-Statue, dessen Versprechen auf Erholung nur das schrille H\u00fcndchen des Nachbarn konterkariert, eine Kreatur, die mit gro\u00dfer Leidenschaft alles anbellt, was sich bewegt. C\u00b4est la vie: Es bleibt der geordnete R\u00fcckzug in die Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir besuchen das Museum der modernen Kunst, dem Kubismus gewidmet, und staunen ein neues Mal, auf wie viele unterschiedliche Weisen man die Welt abbilden und erfahren kann. Die Magie der Formen, die Hochzeit des Lichts, Abstraktion und Stillleben, pr\u00e4sentiert von den gro\u00dfen K\u00f6pfen der Kunstszene. Uns gef\u00e4llt ein kurzes Video, das Picasso bei der Formung von Ton mit seinen begabten H\u00e4nden zeigt. Eine Sammlung von Wandtellern, die Szene eines Stierkampfes zeigen, hat er nach seinen Aufenthalten der Stadt geschenkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Grand Caf\u00e9 f\u00e4llt unser Blick auf eine Werbetafel, die an einer Apotheke angebracht ist. Ein Krankenzimmer, hygienisch und steril gestaltet, mit einem offenen Fenster in einen Wald, erschreckt jeden, der etwas \u00e4lter wird. Es gilt die Stimmung zu bewahren. Dazu dient ein Foto an einer K\u00fchltheke hinter uns, eine Szene aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, die eine Gruppe von M\u00e4nnern mit H\u00fcten darstellt. Wir erinnern uns wieder an ein Bild aus dem Museum, das Picasso, Braque und Bruno an dem gleichen Ort zeigt. Pioniere der Kunst, die lachend das Leben feiern.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Spaziergang gef\u00e4llt uns, dass die Stadt geerdet wirkt, es gibt den Tourismus, die Spuren der K\u00fcnstler, aber ebenso eine angenehme Allt\u00e4glichkeit. Eine \u00e4ltere Dame \u00fcberreicht uns ein Pamphlet einiger B\u00fcrgerinitiativen, die die Verschandelung der Landschaft beklagen. Ihr Anliegen wendet sich gegen die Politik des \u201etoujours plus\u201c der regionalen Beh\u00f6rden. Die absurd anmutende Zahl von kleinen Maklergesch\u00e4ften zeigt einen Trend an. Vermutlich werden hier Siedler beworben, die an den astronomischen Kaufpreisen der K\u00fcste verzweifeln. Das regt zum Tr\u00e4umen an: mit einer Vespa durch die Sonne fahren, die lokale K\u00fcche genie\u00dfen, im Caf\u00e9 sitzen, ankommen, vielleicht.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Rue des \u00c9vad\u00e9s bleiben wir vor einem gro\u00dfen Haus mit geschlossenen Fensterl\u00e4den stehen: das alte Atelier von Braque und Picasso. Zu unserer \u00dcberraschung sind zwei Klingeln mit deren Namen versehen. Man ist versucht, sie zu benutzen, um zu sehen, wer hinunterkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Altstadtg\u00e4sschen laufen wir einen H\u00fcgel hinauf zu einem anderen K\u00fcnstlerdomizil. Hier hat Pierre Brune, der Begr\u00fcnder des Museums, sich 1916 niedergelassen. Der Maler baute sein Haus auf den Resten eines Schlosses, das \u201eCastellas\u201c, wo er einige Jahre sp\u00e4ter seine K\u00fcnstlerfreunde empfing. In der Ferne umrahmen drei Bergspitzen der Pyren\u00e4en, die majest\u00e4tisch in der Herbstsonne leuchten, die malerische Szene.<\/p>\n\n\n\n<p>Andr\u00e9 Salmon, der Schriftsteller und Kunstkritiker, der das St\u00e4dtchen mit dem Titel \u201eMekka des Kubismus\u201c versehen hat, schreibt ein paar Zeilen \u00fcber Brune, die in der deutschen \u00dcbersetzung f\u00fcr uns nur schwer zu fassen sind. Sie lauten &#8211; so h\u00f6ren wir die S\u00e4tze subjektiv und in freier Auslegung &#8211; etwa so:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePierre Brune, der um Gewissheit bem\u00fcht ist, will vor allem seinen Weg erkennen. Er hat keine Angst, diese gro\u00dfe Reise zu verz\u00f6gern, um sich Klarheit zu verschaffen. Wenn er auch keinen formellen Plan anbietet, das K\u00f6nigreich zu erobern, so gelingt ihm zumindest eine harmonische Himmelskarte, die f\u00fcr eine Orientierung notwendig ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns ist das St\u00e4dtchen ein neuer Orientierungspunkt im S\u00fcden Frankreichs.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Sinne deformieren, der Geist formt.\u201c Georges Braque Nach einem intensiven Aufenthalt in Collioure fahren wir nur ein kurzes St\u00fcck in das benachbarte Pyren\u00e4en-St\u00e4dtchen C\u00e9ret. Wir sind ein wenig ersch\u00f6pft und stellen den Hausschuh auf einem kleinen Campingplatz ab. 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