{"id":509,"date":"2023-05-07T08:57:28","date_gmt":"2023-05-07T06:57:28","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=509"},"modified":"2023-05-07T08:57:29","modified_gmt":"2023-05-07T06:57:29","slug":"olympischer-geist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/olympischer-geist\/","title":{"rendered":"Olympischer Geist"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Das olympische Museum in Lausanne liegt famos in einem Park am Genfer See.<br>Wir stehen am olympischen Feuer vor dem Denkmal des franz\u00f6sischen P\u00e4dagogen, Historiker und Sportfunktion\u00e4r Pierre de Coubertin (1863-1937). Coubertin war \u00fcberzeugt, dass in der Erziehung neue Wege unerl\u00e4sslich seien und die sportliche Ausbildung den ganzen Menschen in der Einheit von K\u00f6rper, Geist und Seele erfassen soll. Sein Credo: \u201eDas Wichtigste im Leben ist nicht der Sieg, sondern der Kampf, das Wesentliche ist nicht, gewonnen zu haben, sondern gut gek\u00e4mpft zu haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter dem Eindruck der Ausgrabungen in Olympia trat er f\u00fcr die Wiederbelebung des Ereignisses ein und gr\u00fcndete 1894 das Internationale Olympische Komitee. N\u00f6tig war zun\u00e4chst ein Gestaltwandel. Die alten Griechen hatten kein Konzept von \u201eSport\u201c, der Wettkampf diente urspr\u00fcnglich der k\u00f6rperlichen Ert\u00fcchtigung der Soldaten und dem Lob der G\u00f6tter. Die Sieger erhielten einen Olivenzweig als Symbol des Respektes und der Anerkennung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die moderne olympische Idee widersetzte sich nationalen Egoismen und wollte zum Frieden und zur internationalen Verst\u00e4ndigung beitragen. Dass diese Mission nicht einfach war, zeigte sich an der Vergabe der Veranstaltung in den 30er Jahren. Von einem franz\u00f6sischen Journalisten gefragt, warum er die Berliner Nazi-Spiele unterst\u00fctze, antwortete Coubertin, das Wichtigste sei, dass sie grandios gefeiert w\u00fcrden. Dabei sei es egal, ob man sie als Tourismuswerbung f\u00fcr S\u00fcdkalifornien wie 1932 oder als Werbung f\u00fcr ein politisches System wie 1936 verwende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war die Lebensreformbewegung der Jahrhundertwende, die den Sport zum modernen Massenph\u00e4nomen machte. Die geistigen Hintergr\u00fcnde der K\u00f6rperert\u00fcchtigung nehmen einen prominenten Platz in Peter Sloterdijks Buch \u201eDu musst Dein Leben\u201c \u00e4ndern ein. Der Philosoph zeichnet die Entwicklungsgeschichte der Spiele im Licht ihres antiken und religi\u00f6sen Vorbildes nach. Er schreibt \u00fcber die profane Realit\u00e4t des Sportes in der Moderne, zwischen Selbstoptimierung, Kommerz und Massenmobilisierung. Sein Fazit: \u201eDie Olympische Idee hat nur als s\u00e4kularer Kult ohne ernstgemeinten \u00dcberbau \u00fcberleben k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der athletische Imperativ, der das ganze 20. Jahrhundert durchhallt, ist f\u00fcr den Philosophen von gro\u00dfer allt\u00e4glicher Bedeutung: \u201e\u00dcberall, wo dieser Imperativ vernommen wird, sind wir kulturell auf der richtigen Seite, weil wir dann im griechischen Raum bleiben, in dem der Sport als eine Angelegenheit der Sch\u00f6nheit betrieben wird.\u201c Nur, wer denkt im Fitnessstudio oder auf der Laufstrecke \u00fcber den antiken Ursprung unserer K\u00f6per-Ideale nach?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind beeindruckt: Das Museum inszeniert die Geschichte des olympischen Ph\u00e4nomens mit gro\u00dfem technischen Aufwand beinahe perfekt. Auf Videoleinw\u00e4nden werden an die unvergesslichen Momente der SportlerInnen und an die spektakul\u00e4ren Er\u00f6ffnungsfeiern erinnert. Allein die kritische Aufarbeitung der Skandale rund um die Kommerzialisierung der Spiele fehlt uns.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das olympische Museum in Lausanne liegt famos in einem Park am Genfer See.Wir stehen am olympischen Feuer vor dem Denkmal des franz\u00f6sischen P\u00e4dagogen, Historiker und Sportfunktion\u00e4r Pierre de Coubertin (1863-1937). 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