{"id":525,"date":"2023-08-04T20:20:42","date_gmt":"2023-08-04T18:20:42","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=525"},"modified":"2023-08-04T20:20:44","modified_gmt":"2023-08-04T18:20:44","slug":"das-kleine-paradies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/das-kleine-paradies\/","title":{"rendered":"Das kleine Paradies"},"content":{"rendered":"<p>Die Literatur hat in Frankreich einen \u00fcberragenden Stellenwert. Autoren wie Balzac, Flaubert, Hugo oder Zola schrieben mit ihren B\u00fcchern den \u201eGrand Roman\u201c, der unser Frankreichbild bis heute pr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Versteckt in den H\u00fcgeln von Party-Marly, umkreist von einigen Schnellstra\u00dfen, besuchen wir das kleine Paradies des Schriftstellers Alexandre Dumas (1802-1870): das Chateau de Monte Cristo. Fasziniert lernen wir die Geschichte dieses Anwesens kennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Romane \u201eDie drei Musketiere\u201c und \u201eDer Graf von Monte Cristo\u201c bescherten dem Genie nicht nur Weltruhm, sondern ebenso ein beachtliches Verm\u00f6gen. Neben einer eigenen Zeitung und einem Theater erstand er 1844 ein insgesamt neun Hektar gro\u00dfes Waldgrundst\u00fcck. Sein Schloss im Stil der Neurenaissance errichtete er als Wohnhaus. S\u00fcdwestlich des Hauptgeb\u00e4udes bot das sogenannte Ch\u00e2teau d\u02bcIf, ein neogotischer Bau auf einer Insel in einem kleinen Teich, einen Arbeitsraum. Am 25. Juli 1847 fand die feierliche Einweihung im Beisein von 600 G\u00e4sten statt. Im Park der Anlage staunten die Besucher \u00fcber 14 Hunde, einen Goldfasan und die 1250 Forellen in den Teichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bewundern im Chateau die Ausstattung im maurischen Salon und Zimmer. Die beiden R\u00e4ume lie\u00df Dumas einrichten, nachdem er von einer Nordafrika-Reise zur\u00fcckgekehrt war. Der Erziehungsminister beauftragte ihn, 1846, Algerien zu besuchen und Reisememoiren zu schreiben, die franz\u00f6sische Siedler in die neuen, 1830 eroberten D\u00e9partements locken sollten. Die Stuckw\u00e4nde und -decken mit eingeritzten Arabesken wurden von K\u00fcnstlern gestaltet, die f\u00fcr den Bei von Tunis arbeiteten. 1985 rettete der marokkanische K\u00f6nig Hassan II das einmalige Arrangement vor dem Zerfall und finanzierte die Renovierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dumas schrieb zahlreiche Reiseb\u00fccher. 1832 besuchte er Norditalien und die Schweiz. 1858 verbrachte er Monate im Kaukasus und Russland. Er reiste, um nicht aufzufallen, in der jeweiligen Landes-Kleidung, beobachte den Alltag und die Gewohnheiten der Menschen. Besonders interessierte er sich f\u00fcr die fremden K\u00fcchen und die kulinarischen Gebr\u00e4uche.<\/p>\n\n\n\n<p>Nils Minkmar beschreibt in seinem Buch \u201eDas geheime Frankreich\u201c diese Seite der Franzosen: \u201eDas Essen spielt in Frankreich die Rolle einer Religion &#8211; samt allen m\u00f6glichen Orden, Sekten und Fanatikern\u201c. Vermutlich h\u00e4tte Dumas der folgenden Feststellung zugestimmt: \u201e\u00dcber Religion, Politik und vieles andere wird man sich in Frankreich nie einig sein, die K\u00fcche aber verbindet den Menschen mit der Welt und die Franzosen untereinander.\u201c Dumas, ein leidenschaftlicher Koch, ver\u00f6ffentlichte, neben seinem riesigen literarischen Werk, ein gro\u00dfes Kochbuch. Er war \u00fcberzeugt, dass dieses kulinarische Lexikon sein Hauptwerk sei, f\u00fcr \u201edie Ewigkeit\u201c geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Deutschen war der Meister wohl gesonnen. \u00dcber einem gr\u00f6\u00dferen Fenster des Hauses h\u00e4ngen Portr\u00e4tmedaillons von Schriftstellern und Dichtern, die Dumas verehrte; darunter Shakespeare, Homer, Dante und Goethe. 1838 unternahm er eine mehrmonatige Rheinreise. Seine Idee der friedlichen Nachbarschaft untermauern S\u00e4tze wie: \u201eW\u00e4re ich nicht Franzose, m\u00f6chte ich Deutscher sein\u201c oder \u201eFrankreich und Deutschland sind das eigentliche Europa\u201c. Dumas stirbt vor dem Krieg von 1870\/71 und erlebte die folgenden Katastrophen nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein kleines Paradies w\u00e4hrte nicht lange. Der Reichtum war schnell horrenden Schulden gewichen. Am 22. M\u00e4rz 1849 war er gezwungen seinen Traum, das Schloss Monte Christo mit gro\u00dfem Verlust zu verkaufen. Das Gesamtkunstwerk, das er hinterlie\u00df, beeindruckt bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Literatur:<\/p>\n\n\n\n<p>Nils Minkmar, das geheime Frankreich, Geschichten aus einem freien Land, Fischer Verlag, 2017<br>Fr\u00e9d\u00e9rique Lurol, Monte Cristo, un ch\u00e2teau de roman, 2010<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Literatur hat in Frankreich einen \u00fcberragenden Stellenwert. Autoren wie Balzac, Flaubert, Hugo oder Zola schrieben mit ihren B\u00fcchern den \u201eGrand Roman\u201c, der unser Frankreichbild bis heute pr\u00e4gt. 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