{"id":641,"date":"2024-08-24T19:21:40","date_gmt":"2024-08-24T17:21:40","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=641"},"modified":"2024-08-24T19:21:42","modified_gmt":"2024-08-24T17:21:42","slug":"italien-an-der-elbe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/italien-an-der-elbe\/","title":{"rendered":"Italien an der Elbe"},"content":{"rendered":"<p>Wir staunen, eine italienische Landschaft, an der Elbe, mitten in Sachsen-Anhalt. Auf einer kleinen Insel stehen wir vor der \u201eVilla Hamilton\u201c und blicken auf die Nachbildung des feuerspeienden Vesuvs dahinter. Die k\u00fcnstliche Anlage, mit ihren unterirdischen G\u00e4ngen, einer Grotte und einem Theater, erinnert an den Golf von Neapel. Der Landschaftspark ist seit seiner Entstehung im 18, Jahrhundert bis heute frei zug\u00e4nglich, der Bildung und Erziehung durch das Erlebnis des Sch\u00f6nen gewidmet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bauherr, F\u00fcrst Leopold Franz von Anhalt-Dessau und sein Baumeister, Friedrich Freiherr von Erdmannsdorf, verarbeiteten in W\u00f6rlitz ihre Erfahrungen der \u201eGrand Tour\u201c, die sie nach England und Italien f\u00fchrte. Die Besteigung des Vesuvs im Jahr 1766 f\u00fchrte zu der gewagten Idee, den Vulkan zu Hause nachzubilden und mithilfe moderner Pyrotechnik das Spektakel eines Ausbruches vorzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Erdmannsdorff beschrieb 1766 die reale Erfahrung mit dem Naturph\u00e4nomen: \u201eDie inneren Seiten sind mit Schwefelfeldern durchzogen, die, als die Sonne drauf schien, in mannigfaltigen Farben gl\u00e4nzten. Ganz am Grund sieht man mehrere \u00d6ffnungen, die den undurchdringlichen Eingang dieser H\u00f6lle anzeigen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann nur ahnen, wie die Auff\u00fchrung des Spektakels auf die staunenden Untertanen wirkten. Das Schauspiel verfolgten sie vom Land aus oder auf Gondeln auf dem See. Die Idee fand sp\u00e4ter ihre Fortsetzung in unseren modernen Freizeitparks, die ebenso ber\u00fchmte Ansichten touristischer Ziele kopieren und den Nervenkitzel inszenieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Spiel mit dem Imagin\u00e4ren rief schon am Ende des 18. Jahrhunderts gemischte Gef\u00fchle hervor. Nach der Fertigstellung des Bauwerks kommentierte beispielsweise der Dichter Novalis: \u201eDie ganze Idee ist originell und unstreitig etwas bizarr.\u201c Der F\u00fcrst selbst zweifelte, trotz des titanischen Aufwandes, den er betrieb, im Ergebnis am Sinn der Aktion:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMan sollte aber doch \u2026 sich nicht herausnehmen, die Natur in ihren gro\u00dfartigsten und erhabensten Erscheinungen, in ihren Felsen, Schluchten, T\u00e4lern und Vulkanen nachahmen zu wollen. Da zieht man allemal den K\u00fcrzeren, zumal eine einer Gegend, wo das alles nicht hingeh\u00f6rt und wie vom Himmel gefallen aussieht. Das ist doch alles kleinlich und gedr\u00fcckt und macht keineswegs den Eindruck, den man beabsichtigt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir besichtigen die Villa, die an die Begegnung der Reisenden, mit dem ber\u00fchmtem Vulkanforscher Hamilton erinnert. Goethe berichtet in seiner italienischen Reise von der besonderen Atmosph\u00e4re im Anwesen des Engl\u00e4nders am Golf von Neapel. Der Dichter besuchte das Gartenreich siebenmal und bewunderte die Tatkraft des F\u00fcrstenhauses. In W\u00f6rlitz schrieb der Dichter 1778 in einem Brief an Charlotte von Stein: \u201eHier ist\u2019s jetzt unendlich sch\u00f6n. Mich hat\u2019s gestern Abend sehr ger\u00fchrt..wie die G\u00f6tter dem F\u00fcrsten erlaubt haben, einen Traum um sich herum zu schaffen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auf unserem Spaziergang durch den Park folgen wir eine Maxime Goethes, die in dem Brief an seine platonische Freundin zu finden ist: \u201eMan streicht herum, ohne zu fragen, wo man ausgegangen ist und hinkommt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Literatur:<\/p>\n\n\n\n<p>Alexandra L\u00fcbbert-Barthel, Der Wunderfelsen von W\u00f6rlitz, mitteldeutscher Verlag, Hale 2013<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir staunen, eine italienische Landschaft, an der Elbe, mitten in Sachsen-Anhalt. Auf einer kleinen Insel stehen wir vor der \u201eVilla Hamilton\u201c und blicken auf die Nachbildung des feuerspeienden Vesuvs dahinter. 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