{"id":828,"date":"2026-07-13T12:46:58","date_gmt":"2026-07-13T10:46:58","guid":{"rendered":"https:\/\/campingkunst.de\/?p=828"},"modified":"2026-07-13T12:47:01","modified_gmt":"2026-07-13T10:47:01","slug":"rueckkehr-nach-ithaka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/campingkunst.de\/en\/rueckkehr-nach-ithaka\/","title":{"rendered":"R\u00fcckkehr nach Ithaka?"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Erinnert ihr euch noch an unseren Trip vor zwei Monaten, als wir an der wundersch\u00f6nen Bucht von Navarino standen? Genau dort, wo die raue Natur des Peloponnes auf das tiefblaue Meer trifft, wurden Teile des Kinodramas \u201eThe Return\u201c (dt. \u201eR\u00fcckkehr nach Ithaka\u201c) mit Juliette Binoche und Ralph Fiennes gedreht \u2013 oder zumindest in genau jener Landschaft, die dem Film seine visuelle Wucht verleiht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Passend zur Reise hatten wir das Sachbuch \u201eOdysseus: Mythos und Wahrheit\u201c von Raimund Schulz im Gep\u00e4ck. Schulz beschreibt darin das Spannungsfeld zwischen der historischen Realit\u00e4t der sp\u00e4ten Bronzezeit und dem mythologischen Epos. Wie l\u00e4sst sich diese Zeit \u00fcberhaupt angemessen verstehen? Genau diese Frage scheint auch im Film auf \u2013 wenn auch auf eine sehr eigene Weise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade in Griechenland wird das Werk intensiv diskutiert. Drei Kritikpunkte tauchen dabei besonders h\u00e4ufig auf:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Das Casting: Ein griechischer Mythos ohne griechische Stimmen<br>Die Odyssee geh\u00f6rt untrennbar zur kulturellen Identit\u00e4t Griechenlands. Umso st\u00e4rker fiel \u2013 nicht nur uns, sondern auch vielen Menschen vor Ort \u2013 auf: Die zentralen Rollen sind durchgehend international besetzt. Odysseus, Penelope und Telemachos werden von etablierten internationalen Schauspielern verk\u00f6rpert. Das wirkt f\u00fcr manche wie eine verpasste Chance, griechische Perspektiven und Talente st\u00e4rker einzubinden.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Held als Traumatisierter: Die Entmythologisierung der Welt<br>Regisseur Uberto Pasolini verzichtet weitgehend auf G\u00f6tter, Monster und \u00fcbernat\u00fcrliche Elemente. Stattdessen entsteht ein reduziertes, psychologisch gepr\u00e4gtes Drama um einen vom Krieg gezeichneten Odysseus. Genau hier liegt eine Spannung, die auch Raimund Schulz beschreibt: F\u00fcr moderne Betrachter ist es schwer, sich in eine Welt einzudenken, in der G\u00f6tter als reale Handlungsm\u00e4chte pr\u00e4sent sind. Der Film l\u00f6st dieses Problem, indem er den Mythos radikal rationalisiert. F\u00fcr viele Zuschauer \u2013 gerade in Griechenland \u2013 geht damit jedoch ein zentraler Teil der kulturellen und symbolischen Tiefe verloren.<\/li>\n\n\n\n<li>Architektur und Atmosph\u00e4re: Zwischen Geschichte und Inszenierung<br>Durch unseren Besuch des Palastes von Nestor \u2013 nur wenige Kilometer von Navarino entfernt \u2013 hatten wir die mykenische Welt noch sehr konkret vor Augen: das Megaron, die klare Struktur, die besondere Materialit\u00e4t der Bronzezeit.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Film hingegen wirkt die gebaute Welt deutlich anders. Einige Szenen erinnern eher an sp\u00e4tere, massiv wirkende Festungsarchitektur als an die offenen Palastanlagen der mykenischen Zeit. Tats\u00e4chlich wurde an verschiedenen historischen Orten in Griechenland gedreht, darunter auch mittelalterliche Anlagen. Diese \u00e4sthetische Entscheidung erzeugt zwar eine d\u00fcstere, kraftvolle Bildsprache, entfernt sich jedoch sichtbar von der arch\u00e4ologischen Realit\u00e4t um 1200 v. Chr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn uns der Film atmosph\u00e4risch nicht vollst\u00e4ndig \u00fcberzeugt hat, bleibt eine besondere Erfahrung: Landschaften, die wir selbst durchwandert haben, auf der Leinwand wiederzuerkennen \u2013 wenn auch nur in Fragmenten. Wer die Bucht von Navarino, die Region Messenien oder den Palast des Nestor besucht, bewegt sich ohnehin im Spannungsfeld zwischen Mythos und Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Reiz: nicht in der Entscheidung f\u00fcr das eine oder das andere, sondern im bewussten Dazwischen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Litaratur: Raimund Schulz, Odysseus, Mythos und Wahrheit, Klett Cotta Verlag, Stuttgart 2026<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erinnert ihr euch noch an unseren Trip vor zwei Monaten, als wir an der wundersch\u00f6nen Bucht von Navarino standen? 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